Global Portfolio One nennt sich ein Mischfonds, den der bekannte Anlageexperte Andreas Beck managt. Sein aktiver, vermeintlich wissenschaftlicher Ansatz schnitt bisher erheblich schlechter ab als simple Buy-and-Hold-Portfolios.
Im Mai 2026 hatte Andreas Beck etwas zu feiern: Das verwaltete Kapital seines Mischfonds „Global Portfolio One“ durchbrach die Eine-Milliarde-Euro-Marke. Das wäre nicht weiter bemerkenswert, wenn es sich um das Produkt einer großen Fondsgesellschaft oder Bank handeln würde. Doch Beck hat keinen schlagkräftigen Vertrieb im Rücken. Das Anlagekapital hat er mit Hilfe seiner Präsenz auf der Videoplattform „YouTube“ eingesammelt. Dort vermarktet sich der promovierte Mathematiker als Kapitalmarktguru, der seinen Anhängern angeblich zeigt, wie sie „erfolgreich wissenschaftlich investieren“.
Beck wendet sich mit dem Global Portfolio One, das er als „hochwertige Geldanlage“ bezeichnet, explizit an sogenannte Selbstentscheider. So werden im Finanzbranchenjargon Menschen genannt, die auf professionelle Anlageberatung verzichten und ihr Geld auf eigene Faust am Kapitalmarkt investieren.
Die Selbstentscheider, die in Becks Fonds einzahlten, hatten im Gegensatz zu ihrem Manager allerdings nichts zu feiern. Denn die Bilanz des Global Portfolio One ist schlecht. Die Renditen waren seit der Lancierung des Fonds im November 2019 niedrig und das Risiko hoch. Das ist das Gegenteil von dem, was sich Anleger üblicherweise wünschen.
Global Portfolio One: Unklare Kommunikation
Was Becks Fonds konkret besser machen will als die Konkurrenz, bleibt nebulös. Im Fondsprospekt, dem gesetzlich verbindlichen Dokument, heißt es lapidar:
„Der Fonds investiert gemäß einer aktiven Anlagestrategie und nimmt dabei keinen Bezug auf einen Index/Referenzwert. Der Global Portfolio One ist ein aktienlastiger Mischfonds mit einer Aktienquote von bis zu 100%, der darauf ausgerichtet ist, hohe Ertragschancen zu nützen und dabei hohe Kursschwankungen in Kauf nimmt.“
Mehr ist im Fondsprospekt über die Ziele und die Strategie des Global Portfolio One nicht zu erfahren. Klar ist jedenfalls, dass sich Beck an keinem Vergleichsindex messen lassen und sich damit einer quantitativen Beurteilung entziehen will.
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Aggressiver Mischfonds mit Timing-Strategie
Auf der Website zum Fonds erfährt der interessierte Anleger, dass das Global Portfolio One überwiegend zu 80 Prozent in den Weltaktienmarkt und zu 20 Prozent in Anleihen investiert ist. Diesen sichereren Anteil vom Portfolio nennt Beck „Investitionsreserve“. Das Kapital hält er vom Aktienmarkt zurück, um es dort während Crashs zu investieren. Solche Strategien werden immer wieder unter dem Strichwort „Buy-the-Dip“ diskutiert.
Der Mathematiker beschreibt dieses Konzept auf seiner Fonds-Website so: „Durch Regimewechsel in Krisen wird der Zinseszinseffekt bezogen auf das Kapital vor einer Krise über die Krise hinweg verstetigt. Damit kann er seine langfristig exponentielle Kraft entfalten. Die langfristige Rendite wird planbar und unabhängig von Krisen während des Anlagehorizontes.“ Was das konkret bedeuten soll, bleibt unklar.
Ebenso kryptisch ist die Erläuterung der Gewichtungsstrategie des Aktienportfolios. „Durch die Gleichwertindexierung (Regionengewichtung) werden Klumpenrisiken im Vergleich zu anderen Welt-ETFs minimiert“, heißt es. Demnach gewichtet Beck anders als die nach Börsenwert zusammengesetzten Standardindizes. Wie er genau vorgeht, wird nicht erklärt.
Das Global Portfolio One hält 20 Prozent „Investitionsreserve“
Nach welchen Kriterien er die Wertpapiere für seine Investitionsreserve zusammenstellt, bleibt ebenfalls Becks Geheimnis. Zumindest dann, wenn sich Anleger nicht stundenlang durch seine YouTube-Videos klicken wollen.
Letztlich ist der Global Portfolio One ein flexibler Mischfonds, der eine Aktienquote von 100 Prozent fahren kann. Die Leistung solcher Produkte sollte man an einem Aktienindex messen. Denn sie versprechen, vollständig am Aktienmarkt investiert zu sein, wenn es sich lohnt, und mit sicheren Anlagen in Deckung zu gehen, falls die Aktienmärkte schlecht laufen. Ginge dieses Market-Timing auf, würden flexible Mischfonds besser abschneiden als der Aktienmarkt.
Global Portfolio One: Niedrige Renditen, hohes Risiko
In der Praxis funktioniert das allerdings nicht. Flexible Mischfonds zeigten in der Vergangenheit extrem schlechte Leistungen. Innerhalb dieser Vergleichsgruppe zählt Becks Fonds ironischerweise zu den besten. Doch auch die antizyklische Timing-Strategie des Mathematikers ist ein Misserfolg, wenn man realistische Maßstäbe zugrunde legt.
Hinter einem ETF auf den MSCI All Country World Index Investable Markets (MSCI ACWI IMI) bleibt das Global Portfolio One seit seiner Auflage um 3 Prozentpunkte pro Jahr zurück. Die Volatilität und der maximaler Wertverlust sind zwar etwas niedriger. Doch unter dem Strich ist das Rendite-Risiko-Verhältnis von Becks Portfolio deutlich schlechter (siehe Tabelle).
Global Portfolio One im Vergleich: Die Konkurrenz schneidet deutlich besser ab
| wdt_ID | wdt_created_by | wdt_created_at | wdt_last_edited_by | wdt_last_edited_at | Kennzahl | Global Portfolio One | MSCI ACWI IMI | 90/10 | 80/20 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | markus | 28/06/2026 02:29 PM | markus | 28/06/2026 02:29 PM | Ø Rendite p. a | 8.5% | 11.5% | 11.4% | 10.3% |
| 2 | markus | 28/06/2026 02:29 PM | markus | 28/06/2026 02:29 PM | Volatilität p. a. | 12.4% | 14.3% | 12.8% | 11.4% |
| 3 | markus | 28/06/2026 02:29 PM | markus | 28/06/2026 02:29 PM | Max. Wertverlust | -17.7% | 19.9% | -17.9% | -16.0% |
| 4 | markus | 28/06/2026 02:29 PM | markus | 28/06/2026 02:29 PM | Sharpe Ratio | 0.50 | 0.64 | 0.63 | 0.62 |
Quellen: Deutsche Börse, investing.com, Portfolio Visualizer. Stand: Mai 2026
Selbst wenn man dem ETF auf den MSCI ACWI IMI einen Geldmarkt-ETF beimischt, hat Becks Fonds keine Chance. Die Rendite des Global Portfolio One entspricht einem Portfolio aus 69 Prozent Weltaktienmarkt und 31 Geldmarkt. Die Volatilität dieses Portfolio betrug im Vergleichszeitraum seit Dezember 2019 aber nur 9,9 Prozent und der maximale Wertverlust 14 Prozent. Demnach ist Becks Fonds bei gleicher Rendite deutlich riskanter als ein simples Buy-and-hold-ETF-Portfolio. Umgekehrt ist bei gleichem Risiko seine Rendite erheblich niedriger. Die vollständige Analyse können Sie im PDF-Format herunterladen: Global Portfolio One Analyse
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch ein interessanter historischer Backtest, der bis 1970 zurückgeht. Den haben die Macher des YouTube-Kanals „Notgroschen“ berechnet. Zu dem Video geht es hier entlang, bitte!
Meine Empfehlungen
Unter dem Strich hat Andreas Beck mit dem Global Portfolio One gezeigt, wie man erfolgreich wissenschaftlich Geld verliert. Viele Selbstentscheider haben offensichtlich wenig Ahnung, in was sie eigentlich investieren. Sie lassen sich über Social-Media-Kanäle von bekannten Finanzmarktgurus Produkte andrehen, die wenig taugen, und folgen fragwürdigen Tipps. Sich an der Prominenz eines Portfoliomanagers zu orientieren und an den Influencern, die ihn aufs Schild gehoben haben, ist aber aller Erfahrung nach keine Erfolg-versprechende Strategie.
Letztlich macht es sich bei der Produktauswahl eben doch bezahlt, einen unabhängigen Finanzberater zu konsultieren, der kühl rechnet und sich von dem allgegenwärtigen Marketing-Firlefanz nicht beeindrucken lässt. Die Kosten für ein paar Stunden Beratung sind marginal im Vergleich zu den Zentausenden von Euro, die Sie auf lange Sicht mit mittelmäßigen oder gar schlechten Fonds verlieren. Wer beispielsweise in den vergangenen sechseinhalb Jahren 100.000 Euro in das Global Portfolio One investierte, büßte je nach Betrachtungsweise zwischen 10.000 und 30.000 Euro ein.
Auch Anleger, die in den in den Promi-ETF von Gerd-Kommer investierten, schnitten schlechter ab als mit einem simplen Standarddard-ETF auf den Weltaktienmarkt.
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Mit diesen Daten habe ich den Global Portfolio One analysiert
Für den Renditevergleich habe ich ausschließlich Börsenkurse verwendet. Nur für das Global Portfolio One habe ich bis Ende Juli 2021 den sogenannten Nettoinventarwert (NAV) herangezogen, weil der Fonds in dieser Zeit offenbar noch nicht über die Börse Frankfurt gekauft werden konnte.
Beachten Sie, dass die Wertentwicklung des Global Portfolio One an der Börse hinter dem NAV zurückblieb. Doch auch wenn man die bessere Wertentwicklung auf Basis des NAVs heranzieht, ändert das an der Gesamtaussage nichts. Der Renditerückstand von Becks Fonds auf die Vergleichsportfolios wird lediglich etwas kleiner.
© Neumann Honorarberatung, 28.06.2026
Fotografie:
Quellen:
Eigene Recherchen und Berechnungen
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