Der ETF des Vermögensverwalters Gerd Kommer soll Anlegern Zugang zu sogenannten Faktorstrategien wie Value, Size und Momentum bieten. Damit begründet Kommer die hohen Verwaltungskosten. Analysen zeigen jedoch, dass der Fonds gar keine Faktorprämien liefert.
Alles begann mit Büchern zum Thema Geldanlage mit Indexprodukten. Dann kamen eine Vermögensverwaltung und ein Robo-Advisor hinzu. Im Sommer 2023 krönte Gerd Kommer seine Produktpalette schließlich mit einem eigenen ETF, dem L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF. Tickersymbol: GERD.
Der GERD verspricht, anders zu sein als alles, was der Markt bisher zu bieten hatte. Die Initiatoren nennen ihr Produkt eine „All-in-one-Geldanlage-Lösung“, da es aus ihrer Sicht alle Aspekte der Geldanlage berücksichtigt, die heute relevant sind. Der GERD investiert ausschließlich in Aktien. Und zwar in große, mittlere und kleine in allen Ländern dieser Welt, die über börsengehandelte Unternehmen mit einer ausreichenden Liquidität verfügen.
Dieses Rahmenkonzept ist dasselbe wie das des MSCI All Country World Investable Market Index (MSCI ACWI IMI), der knapp 8200 Unternehmen aus 47 Ländern umfasst (Stand: März 2026) und damit nach Angaben von MSCI 99 Prozent des investierbaren Aktienweltmarktes abdeckt. Länder und Unternehmen sind nach ihrem jeweiligen Börsenwert, der sogenannten Marktkapitalisierung, gewichtet. Das ist die klassische Methode bei Marktindizes.
So macht es der GERD
Der GERD verfolgt einen modifizierten Ansatz. Die Länder gewichtet er nur zur Hälfte nach dem Börsenwert. Die andere Hälfte orientiert sich an der realen Wirtschaftsleistung, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Der Effekt: Im Vergleich zum MSCI ACWI IMI sinkt der hohe Anteil der USA von gut 60 auf rund 44 Prozent. Dafür steigt das Gewicht der Schwellenländer und das der meisten europäischen Staaten.
Die 50-50-Mischung bei der Gewichtung ist eine Lösung, die sich wissenschaftlich kaum begründen lässt. Denn zumindest für die 23 entwickelten Länder zeigt meine Analyse, dass eine BIP-Gewichtung in der Vergangenheit meist die höhere Rendite brachte.
Der GERD entschied sich vermutlich für das 50-50-Konstrukt, weil bei einer reinen BIP-Gewichtung der Schwellenländeranteil auf etwa 38 Prozent angestiegen wäre. Das dürfte den ETF-Konstrukteuren angesichts einer sehr schwachen Wertentwicklung in den aufstrebenden Ländern in den vergangenen Jahren dann wohl doch etwas zu viel gewesen sein.
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Gerd Kommer ETF: Unterschiede zu MSCI-Indizes
Anders als ETFs auf den MSCI ACWI IMI berücksichtigt der GERD auch Nachhaltigkeitsfaktoren. Die Unternehmen mit den höchsten Emissionen relativ zum Börsenwert in jedem der elf Sektoren werden beispielsweise ausgeschlossen. Nicht ins Portfolio aufgenommen werden auch Konzerne, die an der Produktion kontroverser Waffen beteiligt sind, und Kohleerzeuger. Den Initiatoren zufolge berücksichtigt der ETF „wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte“, gehe aber „nicht so weit wie die meisten nachhaltigen Fonds, um die dafür notwendigen Abstriche in der Diversifikation oder Renditeerwartung zu vermeiden“.
Schließlich will der GERD höhere Renditen erzielen als ETFs, die nach Börsenwert gewichtete Marktindizes abbilden. Dafür sollen sogenannte Faktorprämien sorgen. Faktoren sind quantitativ messbare Charakteristika von Aktien. Die Kurse von Werten mit denselben Merkmalen haben die Tendenz, sich ähnlich zu entwickeln. Selektiert man innerhalb eines Marktes Aktien nach den gleichen Faktoren und fasst sie zu Gruppen zusammen, verhalten sich diese Portfolios in aller Regel anders als der Gesamtmarkt.
Zahlreiche akademische Studien, die in den vergangenen fünf Jahrzehnten publiziert wurden, belegen, dass einige Faktoren langfristig hohe Renditen lieferten – unabhängig von Untersuchungszeiträumen und einzelnen Märkten. Insbesondere die Faktoren Value, High Yield (hohe Dividendenrendite), Size und Momentum gelten unter Finanzmarktforschern als ziemlich robust.
Analyse des Gerd Kommer ETFs
Der Index, den der GERD nachbildet, gewichtet die Aktien innerhalb der einzelnen Länder nach Faktor-Scores. Unternehmen mit einem hohen Wert bekommen ein höheres Gewicht im Portfolio. Aktien, deren rechnerische Gewichte unter einen bestimmten Mindestwert fallen, werden nicht ins Portfolio aufgenommen. Auf diese Weise reduziert sich die Anzahl der im Solactive Gerd Kommer Multifactor Equity Index enthaltenen Titel auf 5000.
Der GERD zielt auf die Faktoren Size, Value, Quality, Investment und Momentum. Deswegen die Bezeichnung „Multifactor“-ETF. Doch Regressionsanalysen zeigen, dass Anleger, die sich auf den GERD verlassen, kaum von Faktorprämien profitieren werden. Vielmehr erklärt die allgemeine Marktentwicklung fast die gesamte Rendite des vermeintlichen Faktor-ETFs.
Für die Ökonometriker unter Ihnen: Im Fünf-Faktoren-Modell von Fama und French ist nur der Marktfaktor signifikant. Regressionskoeffizient: 0,91. Bestimmtheitsmaß des Modells: 96,6 Prozent. Führt man die Regressionsanalyse mit den von der Hedgefondsgesellschaft AQR berechneten Faktoren durch, ist der Marktfaktor noch ausgeprägter. Regressionskoeffizient: 0,96, Bestimmtheitsmaß des Modells: 97,5 Prozent.
Die Analysen können Sie hier kostenlos herunterladen:
Faktoranalyse Gerd Kommer ETF 1
Faktoranalyse Gerd Kommer ETF 2
Diese Ergebnisse spiegeln sich auch in anderen statistischen Kennzahlen wider. Die Korrelation des Gerd Kommer ETFs mit einem ETF auf den MSCI ACWI IMI beträgt 0,97. Mit anderen Worten: Der GERD klebt wie eine Klette an seinem Mitbewerber. Mehr als 93 Prozent seiner Rendite lassen sich mit der Rendite des Konkurrenz-ETFs erklären.
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Renditen und Kosten im Vergleich
Auch die absoluten Renditen, gemessen von Juli 2023 bis Ende März 2026, unterscheiden sich kaum. Gleiches gilt für die Wertschwankungen und die maximalen Wertverluste. Alle Daten finden Sie hier: Gerd Kommer ETF im Vergleich
Der gravierendste Unterschied zwischen dem Gerd Kommer ETF und dem einzigen in Deutschland erhältlichen ETF auf den MSCI ACWI IMI ist wahrscheinlich der Preis. Der GERD startete mit 0,5 Prozent der verwalteten Anlagesumme pro Jahr. Seit Mitte Dezember 2025 kostet der Fonds 0,45 Prozent, sein Konkurrent nur 0,17 Prozent. Wer sich ein Weltaktienportfolio aus zwei oder drei ETFs selber baut, zahlt noch weniger.
Ein nach dem BIP-gewichtetes Weltportfolio erzielte im Untersuchungszeitraum eine im Schnitt um 0,7 Prozentpunkte höhere Rendite pro Jahr als der Gerd Kommer ETF. Zudem waren die Wertschwankungen des Portfolios und der maximale Wertverlust niedriger. Das führte unter dem Strich zu einem besseren Rendite-Risiko-Verhältnis.
Fazit: Der Kommer-ETF ist eine Mogelpackung
Der GERD ist kein schlechtes Produkt, aber er hält nicht, was er verspricht. Die angebliche Ausrichtung nach Faktoren lässt sich nicht nachweisen. Dennoch zahlen Anleger dafür einen Aufpreis von mindestens 0,28 Prozentpunkten pro Jahr. Wer die USA niedriger und die Schwellenländer sowie Europa höher gewichten will als im MSCI ACWI IMI, kann dies auch preiswerter mit einem ETF-Portfolio erreichen.
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© Neumann Honorarberatung, aktualisiert am 26.03.2026
Fotografie: Robert Katzki/Unsplash
Quellen:
Eigene Recherchen und Berechnungen



